Quelle: Schwäbische Zeitung, Franziska Rötzsch, 16.02.2010

Keine Lust mehr - Noodles-Wirt hört auf


Noodles-Wirt Andreas Gehring hört nach 20 Jahren auf. "Ich habe keine Lust mehr"

20 Jahre lang ist Andreas Gehring täglich im Noodles hinterm Tresen gestanden und seine Gäste bedient. Doch jetzt ist Schluss: „Wenn ich in meinem Leben noch etwas anderes machen möchte, dann ist jetzt der Zeitpunkt dafür“, sagt der 45-Jährige. Das letzte Bier schenkt er am Samstag aus.

„Ich habe keine Lust mehr“, sagt Andreas Gehring und blickt über das Inventar des Noodles, zudem er längst dazugehört. 20 Jahre lang hatte der Biberacher das Lokal gepachtet, 20 Jahre lang war er – sieht man von den seltenen Urlauben einmal ab – immer für seine Kunden da – jedes Wochenende, jeden Abend, sieben Tage die Woche, oft bis weit nach Mitternacht. Das reicht, findet er. „Ich möchte in meinem Leben noch etwas anderes machen.“

Angefangen hatte alles 1987. Als das Noodles noch der Biberkeller war. Gehring kellnerte hier. Zusammen mit Rainer Burkhardt übernahm er 1990 die Kneipe. „Damals war gerade die Nudel-Welle im kommen. Also haben wir Nudeln und Pizza angeboten und die Kneipe Noodles genannt.“ Weil damit nicht jeder Biberacher etwas anfangen konnte, blieb auch der Name Biberkeller. 2002 übernahm Gehring das Noodles komplett – unterstützt von seiner Frau, die trotz Vollzeitjob immer wieder aushilft, den zwei Küchendamen und einigen Bedienungen. „Viele sind schon lange hier und ich danke ihnen.“

Vieles hat Gehring in den 20 Jahren erlebt. „Früher haben wir unseren Fasnets-Hausball hier gemacht. Es gab Geburtstage und Hochzeiten. Das Schützenfest ist jedes Jahr das Großevent. Und als Vereinslokal der Handballabteilung hat man auch viele Höhen und Tiefen gesehen“, sagt Gehring. „Es waren schöne Zeiten.“

Viel verändert habe sich in den 20 Jahren aber nicht im Noodles. Einige Stühle wurden ausgetauscht, die Speisekarte wurde größer. Viele Gäste von damals kommen immer noch, sagt Gehring. Und dann gibt er doch zu, dass der Abschied nicht leicht fällt: „Viele werden mir fehlen. Das Schöne war ja, dass man viele Leute kennengelernt hat – auch viele nette. Das wird mir sicher fehlen.“ Familiär sei es im Noodles zugegangen, sagt Gehring. „Für viele ist das Noodles das Wohnzimmer.“

Für seine eigene Familie, die bisher zurückstecken musste, will Gehring künftig mehr Zeit haben – und für sich selbst. Konkrete Pläne hat er bisher nicht. „Eigentlich habe ich Masseur gelernt. Aber das brauche ich jetzt auch nicht mehr anfangen“, sagt er. „Erst mal werde ich ein paar Monate nichts tun. Und dann schaue ich mal, was ich möchte und wer für mich Verwendung hat.“

Ganz verlassen will der 45-Jährige das Noodles aber dann doch nicht. „Man wird mich sicher ab und zu auf der anderen Seite des Tresens wieder treffen.“

Biberacher Schwestern machen weiter

Übernehmen werden den Biberkeller die Zwillingsschwestern Manuela Dobert und Simone Göpper. Manuela Dobert leitet seit zehn Jahren die Gastronomie des Ulmer Roxy, Simone Göpper lebt heute mit ihrer Familie in der Schweiz. Beide Schwestern kellnerten jahrelang im Noodles – und kehren nun in ihre Heimatstadt zurück. Ab März werden sie umbauen, im Juni soll der Biberkeller wieder eröffnen. Andreas Gehring ist zufrieden mit seinen Nachfolgerinnen: „Sie werden nicht alles komplett verändern. Mir ist es wichtig, dass sich meine Stammgäste auch künftig hier wiederfinden“, sagt er. „Es wäre ja auch schade drum.“